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Die Entdeckung

Kapitel 5: Die Entdeckung

In Hinterwald nahm die Bewunderung für die Lehrerin immer mehr zu. Die Mütter und Großmütter hatten ihre Freude an den Näharbeiten, die ihre Kinder mit nach Hause brachten. Jetzt stimmten auch die Männer mit ein, wenn die Frauen sagten, e sei ein Glück, eine solche Lehrerin zu haben.

Weil Franziska so geschickt war und Erfahrung in vielen Dingen hatte, von denen die Frauen selbt nichts verstanden, kamen sie stets, wenn sie einen Rat brauchten. Selbst wenn jemand im Dorf krank wurde, wandte man sich zuerst an die Lehrerin. Der Arzt wohnte weit unten im Tal und kam auch nur, wenn die Leute Geld hatten, ihn zu bezahlen. Franziska wusste, wie arm die Menschen hier oben waren. Erst mit der Zeit hatte sie erfahren, wie schlimm es wirklich war. Sie ging in das Dorf im Tal, sprach mit dem Pfarrer und dem Arzt und erreichte, dass der Doktor in schweren Fällen auch dann kam, wenn er kein Geld erhielt. Sie schrieb lange Briefe an ihre Bekannten und bat um Kleidungsstücke für die ärmsten Dorfbewohner.

Einige Wochen später fand Franziska in ihrem Schulzimmer vor einem der Fenster einen großen Blumentopf. Wunderhübsche Alpenveilchen standen darin. Wer hatte ihr die schönen Blumen hingestellt? Ihr erster Gedanke war Chel! Aber wo sollte Chel solch einen hübschen Topf herbekommen haben? Er besaß doch gar nichts, und dann – nein, das konnte nicht sein! Vielleicht hatte ihn eine dankbare Mutter hergebracht.

Chel war nie mehr gekommen. Franziska hörte auch nichts von ihm. Kein Mensch hatte ihn wiedergesehen. Zum Essen war er kein einziges Mal erschienen. Wo mochte er sich herumtreiben? Die Lehrerin machte sich große Sorgen.

Als Franziska gerade die Fenster ihres Wohnzimmers schließen wollte, hörte sie, wie jemand auf ihr Haus zugerannt kam. Gleich darauf ertönte lautes Klopfen. Ihr erster Gedanke war der Bub.

Aber es war Lisi. „Was willst du noch so spät bei ir?“ fragte die Lehrerin verwundert.

„Die Mutter hat gesagt, Sie sollten doch so gut sein und dem Großvater etwas aus der Bibel vorlesen. Er ist so alt und krank“, antwortete die Kleine.

„Aber Lisi“, wandte Franziska ein, „wenn dein Großvaters so krank ist, wird man zum Pfarrer schicken müssen.“

„Wir haben es versucht, aber der Herr Pfarrer besucht schon einen anderen Kranken“, gab das Mädchen Bescheid. „Und nun ist keiner da, der dem Großvater vorliest und mit ihm betet.“

„Ich komme mit dir“, sagte Franziska und nahm das Kind bei der Hand. Mehrere Stunden blieb sie dann bei dem alten Metzler. Nach und nach wurde er ruhiger und schlief ein. Franziska erhob sich, um heimzukehren.

Nun fing die Frau an zu jammern, dass ihr Mann nicht daheim sei, um die Lehrerin zu begleiten. Er war oben auf der Alm geblieben, da die Tage lang und die Nächte kurz waren.

Aber Franziska sagte, sie fürchtete sich nicht. Außerdem sei um diese Zeit niemand mehr auf den Wegen zu treffen. Als sie dann aber aus der Tannengruppe heraus wieder ins Freie trat, kam ihr jemand entgegen. Der Mond schien ihm hell ins Gesicht. Es war Chel!

„Wo kommst du so spät her?“ rief sie in Überraschung und Freude aus.

Chel stand wie festgewurzelt. Er hatte nicht erwartet, noch jemanden zu so später Stunde zu treffen.

„Jetzt kommst du mit mir, Chel“, sagte Franziska und nahm den Buben bei der Hand. Er folgte ihr willig.

Zu Hause wies die Lehrerin auf den Blumentopf am offenstehenden Fenster. „Kennst du diese Alpenveilchen?“ fragte sie ihn sogleich.

Chel wurde dunkelrot.

„Nun brauchst du gar nichts mehr zu sagen. Jetzt weiß ich´s. Chel, das sind die schönsten Alpenveilchen, die ich je besaß. Ich freue mich, dass du an mich gedacht hast, wenn du mich auch nie besuchtest. Wo warst du nur?“

Franziska hatte sich neben den Buben gesetzt und schaute ihn erwartungsvoll an. Bei ihren Worten war erst ein Ausdruck der Freude, dann der Furcht über Chels Gesicht gegangen. Jetzt wandte er sich ab und sagte halblaut: „Ich kann es nicht sagen!“

Franziska schaute ihn an. Dies war nicht das Gesicht eines verdorbenen, im Bösen verkommenen Jungen. Er konnte ihr so ehrlich und warm in die Augen blicken, dass sie daran Freude hatte. Vielleicht durfte er wirklich nicht sagen, was er trieb? Ihr fiel sein Vater ein, der als Schmuggler erschossen worden war. Sie ermunterte ihn nochmals, ihr alles zu erzählen. Sie versprach, ihn nicht zu strafen, sondern ihm zu helfen, wo und wie sie nur konnte.

„Ihnen würde ich es schon sagen, wenn nur die anderen…“

„Sprich nur, Chel, von mir erfährt niemand etwas. Das verspreche ich dir“, gelobte sie.

„So will ich Ihnen zeigen, wo ich hingehe“, sagte Chel und stand auf.

„Zeigen?“ reif Franziska erschrocken. „Kann ich denn da hingehen?“

„Ja, Sie können schon, wenn ich Ihnen zeige, wie man´s macht. Und jetzt ist ja heller Mondschein.“

„Nein, Chel, mitten in der Nacht umherlaufen, Gott weiß, wohin, davon kann keine Rede sein! Ich mache dir erst mal ein Nachtlager zurecht, wie das erste Mal, als du bei mir warst. Morgen, am Tage, gehe ich mit dir.“

Der nächste Tag war ein Sonntag. Es war noch vor Sonnenaufgang, als Franziska kam, um nach Chel zu sehen. Er stand schon da und betrachtete die Bilder an der Wand. Sogleich wollte er mit ihr loslaufen, aber sie verlangte, dass er erst ein Frühstück zu sich nahm.

„Sonntäglich siehst du freilich nicht aus, Chel! Wenn ich nur etwas für dich zum Anziehen hätte.“

Chel kam kam jetzt erst sein Aussehen zu Bewusstsein. Ohne Schuhe und Strümpfe, nur mit einem zerrissenen Hemd und einer völlig zerfetzten Hose bekleidet, stand er da.

„Du hast doch für den Sonntag gewiss noch anderes Zeug daheim?“

„Ich aber nur das“, sagte der Bub und sah beschämt zu Boden.

„Wer flickt dir dein Zeug, Chel?“

„Niemand.“

„Wenn nun aber deine Hose ganz und gar in Fetzen geht, was machst du dann?“ fragte Franziska weiter.

Darauf wusste Chel keine Antwort.

Rosige Morgenwolken standen am klaren Himmel, als die beiden losgingen. Chel hatte den Weg zur Passhöhe eingeschlagen. Schweigend stiegen sie nebeneinander den Berg hinauf. Die Sonne war aufgegangen. Nun erst glänzte und schimmerte alles im Sonntagsschmuck. Nur der Bub allein sah nicht sonntäglich aus.

Mehr als eine Stunde waren sie nun gestiegen. Die Passhöhe musste erreicht sein. Vor kurzer Zeit hatte Chel den Pfad verlassen und sich dem dicht mit Tannen bewachsenen Felsenhang zugewandt. Jetzt standen sie vor einem scheinbar undurchdringlichen Dickicht, wo die reiten Äste der uralten Tannen sich ineinander verschlungen hatten.

„Nein, Chel, da kommen wir nicht durch“, sagte Franziska und blieb stehen.

„Man kann schon“, meine Chel. Er kletterte leicht wie ein Eichhörnchen über die knorrigen Äste und Baumstümpfe weg. Dann streckte er hilfreich seinen Arm zurück, um Franziska hinüberzuhelfen.

Einen Augenblick zögerte sie noch. Nein, nun wollte sie nicht mehr zurück. Sie reichte Chel die Hand. Er zog sie durch Gestrüpp und Gesträuch, über morsche Baumstümpfe und knorriges Geäst, durch verwachsenes Unterholz und dichtes Schlinggewächs. Sie gelangten sicher über alle Hindernisse hinweg.

Jetzt kam die Lichtung. Sie traten aus der dichten Waldwildnis heraus. Es bot sich ihnen ein so schöner Ausblick, wie Franziska ihn in ihrem Leben noch nie gesehen hatte. Sie stand auf einem sonnigen Weideplatz. Auf allen Seiten blühten und leuchteten rote Felsennelken, goldene Ranunkeln, rosige Anemonen, himmelblaue Enziane und duftende Bergveilchen. Drüben ragte die ganze Kette der hohen, schneeweißen Berggipfel der Walliser Alpen ins Blaue des Himmels. Zwischen den Hörnern und Spitzen flimmerten die weiten Eisfelder der Gletscher.

Franziska schaute bald auf die leuchtenden Blumen ringsum, bald hinüber nach den Schneegipfeln, bald auf die riesigen Tannen an den Felsenhöhen zu beiden Seiten. Dann lief sie über die Blumenwiese dem Abhang zu. Hier sah man ins Walliser Tal hinunter. Wie schroff aber da die Felsen abfielen. Senkrecht ging es in den tiefen Abgrund. Sie trat noch etwas näher an den Rand, um besser hinunterschauen zu können. Aber sie wurde am Kleid zurückgehalten. Sie drehte sich um. Chel hielt sie fest.

„Da ist das Blaumeisli hinuntergefallen“, erklärte er.

Franziska hatte vor Entzücken üer alles, was sie sah, völlig vergessen, warum sie hierhergekommen war. Jetzt erst erinnerte sie ich an ihr Vorhaben. „Wo sind wir, Chel? Wo hast du mich hingeführt? Hier geht es ja gar nicht weiter.“

„Sie wollten sehen, wohin ich gehe“, antwortete Chel.

Eine Angst stieg in Franziskas Herzen auf. „Hat dich dein Vater hierher geführt?“ wollte sie wissen. „Kletterte er über die Felsen ins Tal hinab? Gingst du mit ihm?“

„Da klettert keiner hinunter“, sagte Chel und deutete auf die schroffe Felswand. „Mein Vater hat mich nie mitgenommen. Ich weiß nicht, wohin er ging. Wenn er fort war, lief auch ich weg. Ich habe selbst den Platz gefunden, wo mich keiner erwischte.“

„Erwischte?“ wiederholte Franziska mit neuem Schrecken. Sie hatte schon aufgeatmet, als sie hörte, dass der Bub nichts von den Gängen seines Vaters wusste. „Chel, was hast du getan, dass du fürchtest, erwischt zu werden? Sag mir alles! Sieh diese Herrlichkeit um dich her! Hast du hier nie zum Himmel aufgeschaut und denken müssen: Dort oben ist der liebe Gott und blickt auf mich herab?“

„Doch!“ antwortete Chel.

„Chel, was hast du hier oben getan?“ Franziska hatte Chels Hände erfasst und schaute ihm fest in die Augen.

„So will ich´s Ihnen zeigen“, sagte der Bub und wandte sich der Seite des Abgrundes zu, wo der Felsen nicht ganz so glatt abfiel.

Franziska wollte ihm folgen, zog dann aber ihren Fuß zurück. „Nein, Chel, dahin kann ich nicht steigen.“

„Es ist nicht weit, nur bis dort, wo der Fels vorsteht. Sie können´s schon, wenn ich Sie festhalte“, sagte Chel ermunternd.

Franziska steig nieder, indem sie sich mit der einen Hand fest auf Chel stützte und mit der anderen die kurzen Zweige der Zwergtännchen erfasste, die fest im Felsen wurzelten. Jetzt kam der Felsvorsprung, der wie ein Dach überhing. Chel führte seine Begleiterin sehr geschickt zu der darunter vorstehenden Platte. Einen Augenblick schaute Franziska in den tiefen Abgrund unter sich, dann wandte sie sich um. Sie stand am Eingang einer Felsenhöhle. Einen Teil des Raumes erleuchtete die Sonne. Weiter hinein war es dunkel. Drinnen standen ein Stuhl und ein Tisch, beide ganz einfach gemacht. Vier Stöcke waren in vier Löcher gesteckt, die in ein ziemlich unebenes Holzstück gebohrt waren; das war der Tisch. Der Stuhl war in derselben Art verfertigt. Auf dem Tisch und dem Felsboden lagen viele Scherben, die in allen Farben schillerten.

Franziska musste sich bücken, um einzutreten. Drinnen setzte sie sich gleich auf den Stuhl. Nun hatte sie einen sicheren Platz und konnte von da aus alles in Ruhe betrachten. Vor ihr lagen mehrere Papierstücke, sie waren bemalt. Nun erkannte Franziska auch, warum die Scherben in allen Farben schillerten: Auf jedem war eine besondere Farbe eingerieben. Ganz seltsame Farben waren es, wie Franziska sie nie gesehen hatte. Sie betrachtete die Papiere: „Was ist das, Chel? Wer hat das gemacht?“

„Ich“, erwiderte er und wurde ganz rot.

„Hast du dies alles selbst gemalt?“ wollte Franziska wissen.

Chel nickt scheu, aber bejahend.

Jetzt legte die Lehrerin die Papiere beiseite, die ihre Aufmerksamkeit so in Anspruch genommen hatten, dass sie wieder den Sinn ihres Herkommens vergessen hatte. „Nachher will ich noch von den Bildern reden“, sagte sie. „Doch erkläre mir endlich, mit wem du in dieser Höhle zusammenkommst! Was tut ihr hier?“

„Wollen Sie mir auch bestimmt nicht alles wegnehmen und mir nicht verbieten, noch etwas zu malen?“ fragte Chel.

„Davon kann keine Rede sein. In meine Schule sollst du kommen, da zeige ich es dir noch besser, wie man es macht. Ich gebe dir dann gute Farben, damit deine Bilder noch schöner werden. Aber erst sagt du mir ehrlich, wie du deine Tage und Nächte zubringst!“

Mit Chel war eine große Veränderung vorgegangen. Die Furcht was aus seinen Augen gewichen, es war nur noch Freude darin. „Oh!“ rief er aus, „Sie sind gar nicht bös“, Sie wollen mir Farben geben und mir beibringen, wie man besser malt!“

Franziska wurde nun etwas ungeduldig: „Ich will erst wissen, mit wem du hier oben warst und war ihr getrieben habt!“

„Ich bin immer allein hier gewesen“, antwortete Chel und sah die Lehrerin offen und ehrlich an. „Als die Mutter nicht mehr da war, war ich so entsetzlich allein. Zuletzt lief ich fort, immer weiter. Als ich dann hier herauf kam, entdeckte ich diese schönen Blumen. Große Sträuße habe ich mir mitgenommen, weil ich sie mir zu Hause immer wieder anschauen wollte. Aber am Abend hingen schon wieder die Köpfe. Der Vater gab mir ein Stück Papier und einen Bleistift. Da fing ich an, alle Blumen nachzumalen. Aber es fehlte ihnen die Farbe. Dann habe ich blaue und rote Beeren ausgequetscht. Manche Blüten und Blätter färbten auch.“ – Der Knabe dachte eine Weile nach und fügte dann hinzu: „Nachdem der Vater gestorben war, bin ich ganz hier heraufgezogen.“

„Aber Chel“, fiel Franziska ein, „wo hast du geschlafen?“

Der Bub wies in den Hintergrund der Höhle. Jetzt erst, da sich Franziskas Augen an das Halbdunkel gewöhnt hatten, sah sie das Lager aus Moos und Tannennadeln. – „Aber was hast du gegessen?“

„Ein paarmal bin ich zu den Leuten ins Dorf gegangen“, antwortete Chel. „Zuerst musste ich zum Metzler am Kracher. Obwohl ich dort nichts Unrechtes getan habe, hat er gesagt, einen solchen Strolch wie mich sollte man gar nicht erhalten. Und beim Metzler vor dem Bach haben sie geschimpft, ich sei ein Lump. Die anderen wussten stets auch etwas Böses zu sagen. Dann bin ich zu keinem mehr gegangen. Wenn ich so im Wald umherlief, fand ich Mengen von Beeren. Trinken konnte ich vom Quellwasser. Oft traf ich auf den Weiden auch eine Geiß. Dann habe ich Milch getrunken von ihr. Am besten kannte ich das Blaumeisli. Es war so zutraulich geworden, dass es mir von selbst nachlief. Dem Hirtenbub ist es nie aufgefallen, wenn sich das Blaumeisli stundenlang von der Herde entfernte. Die Geiß hatte auch einen Grund, dass sie immer zu mir kam. Ich suchte ihr die allerbesten Kräutlein, die sie selbst auf der Weide nicht finden konnte. Und sie gab mir ihre Milch dafür.“

„Aber Chel, das war doch unrecht“, fiel Franziska ein, „die Geiß gehört doch dem Gemeindevorsteher, und die Milch ist auch seine!“

Chel war ein wenig verwundert: „Aber ich gab ihr doch die Kräuter, keine andere Geiß hatte Futter wie sie. Sie wäre mich auch nie von allein nachgelaufen, wenn sie mich nicht gern gehabt hätte. Nur war sie manchmal eine zu waghalsige Kletterin. Und einmal ist sie halt abgerutscht. Das war furchtbar. Ich konnte das arme Tier kaum noch heraufziehen. Es war nur ein Glück, dass es im Gehölz hängengeblieben war.“

„Und um dein Versteck nicht zu verraten, hast du keinem genau erzählt, wo´s sich zugetragen hat“, warf Franziska ein. „Aber nun wird ja alles gut werden. Doch sag mir noch eins: Wo hattest du den schönen Topf her, in dem du mir die Alpenveilchen brachtest? Es war doch nicht etwa das Eigentum von jemand anders?“

Aber Chel konnte die Lehrerin beruhigen: „Wenn mir ein paar besonders schöne Blumenbilder gelungen waren, so brachte ich sie der Krämerin unten im Tal. Sie verkaufte die Bildchen an Feriengäste. Mir aber gab sie Papier für neue Bilder, manchmal auch ein Brot, und einmal, als ich sie darum bar, statt eines Brotes den Topf.“

Franziska war sehr gerührt. Jetzt kannte sie Chels Leben und Treiben. Sie hatte sich vor der Enthüllung so gefürchtet. Nun war sie um so angenehmer überrascht. Sie war sehr einsam, seit ihre Eltern tot waren. Heiraten würde sie auch nicht, weil sie ihren Verlobten nicht vergessen konnte. Er war ums Leben gekommen, als er anderen Menschen, die in Bergnot geraten waren, helfen wollte. Wer hinderte sie also, den Buben aufzunehmen und bei sich zu behalten? Sie würde ihn lieben wie ein eigenes Kind.

(Quelle: In Hinterwald von Johanna Spyri, Neuer Jugendschriften-Verlag, 1962)

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